Halluzinationen

Ein leises Knurren war zu hören und eine Hand kam unter der Bettdecke hervor, welche etwas beiseite geschoben wurde.
Hervor kam ein, nicht sonderlich ausgeschlafen aussehender, Hanyou, welcher sich auch dementsprechend fühlte.
Kurzerhand wurde die Decke beiseite geschlagen und er stand auf. *Und der erste Tag in meinem beschissenen Leben.*, grummelte er in Gedanken.
Er hatte absolut keine Lust überhaupt irgendwas zu machen, er würde sich heute Nachmittag noch mit Miroku treffen, ihm musste er dann erstmal alles erzählen.
Wieder knurrte er unzufrieden und bewegte sich, in seiner Jogginghose, ohne Oberteil Richtung Wohnzimmer, wo er sich auf die Couch setzte. Kurzerhand nahm er auch seinen Laptop dazu und schaltete ihn an, vielleicht gab es ja etwas, was ihn interessieren würde und was gut bezahlt war?
Tellerwäscher, Hausmeister, Büroangestellter... das alles war nichts für ihn, wobei natürlich als Büroangestellter würde er wohl gut verdienen, aber er hatte keine Ausbildung. Vielleicht sollte er Kagome fragen, was sie denn überhaupt monatlich wollte? Damit er sich danach richten konnte.
Weil er hatte nunmal keine Ausbildung, was sollte er da machen, und selbst wenn er eine machen würde, hätte er für 3 Jahre zu wenig Geld wahrscheinlich.
Er sollte sie anrufen... bloß... er hatte ihre Nummer nicht, warum denn auch?
Abermals knurrte er und schaute sich in seinem Wohnzimmer um. Sein Blick blieb auf seinem Telefon hängen. *Sango müsste doch ihre Nummer haben!*, fiel ihm ein.
Somit erhob er sich und schnappte sich das Telefon. Kurz darauf hatte er auch schon die Nummer von ihr gewählt und wartete, bis sie abhob.
"Hallo?", meldete sich die verschlafene Braunhaarige. Sie hatte heute keine Vorlesung und war im guten Glauben gewesen, dass sie ausschlafen konnte.
"Hallo Sango, Inu Yasha hier...", selbst er merkte, das sich seine Stimme lange nicht so gut gelaunt anhörte wie sonst. Eher war sie matt und nicht sonderlich emotionsvoll. Na super, nun wurde er wahrscheinlich erst einmal ausgefragt und beschimpft.
Verwundert kratzte sich Sango am Kopf, erhob sich gähnend von ihrem Bett und marschierte in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. "Was ist denn mit dir los? Du klingst ja mal schwer begeistert. Schlecht geschlafen?"
Er seufzte. "Schlecht geschlafen ist gar kein Ausdruck....", nuschelte er in das Telefon. "Sag mal hast du Kagomes Telefonnummer? Ich muss sie etwas fragen."
Sofort war das Mädchen hellwach. "Wieso? WAS willst du sie fragen? Ich denke nicht, dass sie noch einmal Lust dazu hat, mit dir ein kleines Stelldichein zu haben!"
Erneut seufzte er auf und konnte das Telefon direkt etwas von seinen empfindlichen Ohren entfernt halten. Na super, und schon konnte er erzählen.
"Sie will auch gar keins mehr, und ich auch nicht, hatten wir gestern schon.... Hast du nun Kagomes Nummer?", am liebsten würde er einfach nur die Nummer von ihr hören wollen und dann direkt auflegen.
"Was meinst du damit, das hattet ihr gestern schon? Ich meinte nicht euren Streit übers Telefon! Achja, danke für das neue Handy!", fügte sie noch schnell an, ehe sie es vergaß.
"Das mit dem Handy, war ich dir ja wohl schuldig.", seufzte er. Zu dem Zeitpunkt war ja noch alles gut. "Ich hab sie gestern, nach dem Telefonat in einem Kaufhaus getroffen, und naja, wie es so passieren kann...", er brach ab. Er wollte gar  nicht an diesen Moment denken. Er wollte doch einfach nur ihre Nummer und dann wollte er auflegen. Aber Sango war einfach viel zu neugierig.
"Moment ... Moment! Nochmal auf Anfang! Du hast sie also im Kaufhaus getroffen? So ganz rein zufällig, ja? Und was kann da denn so alles passieren, mitten in einem Kaufhaus?" Sie war froh, als der Kaffee endlich in ihrer Tasse war und sie sich schnell Milch und Zucker dazu gab.
Er knurrte leise und sichtlich unzufrieden. Dann konnte er ihr gleich alles erzählen, dann rückte sie zumindest mit der Nummer raus. "Ich war nach dem Telefonat sichtlich aufgebracht, bin dann los zu einem Kaffee, da hab ich sie dann gewittert. Ich bin also zu ihr hin, in die Kabine. Erst haben wir uns, wie es zu erwarten war, gezofft, bevor wir dann Beide...", er machte eine Pause. Wie sollte er das nun formulieren?!, "...in der Kabine einen, ich nenne es Stimmungswechsel hatten."
Beinahe hätte sie sich an ihrem Kaffee verschluckt. "Stimmungswechsel? Sag bitte nicht, dass es das war, was ich glaube, dass es war!"
Er seufzte wieder einmal, bevor er, mit etwas matterer Stimme, fort fuhr. "Doch genau das ist passiert...", er holte tief Luft, bevor er den einen Satz aussprach, welchen er am liebsten aus dem Geschehen löschen würde. "Naja und ich hab halt was Wichtiges vergessen...."
Fast mit einem Zug leerte die Braunhaarige ihre Tasse und schwieg. Vergessen? Oh bitte, es durfte wirklich nicht das sein, was sie sich nun dachte! Wenn es so war ... für so dumm hatte sie Kagome niemals eingeschätzt. Sie hätte bestimmt etwas gesagt!
Auch er hörte auf zu atmen, nun würde wahrscheinlich ein Schreikonzert der Extraklasse folgen. Trotzdem ergriff er noch einmal das Wort. "Also, hast du nun ihre Nummer, es ist wirklich wichtig...", murmelte er bedrückt ins Telefon.
Noch einen kurzen Moment herrschte Stille, bis Sango ihre Stimme wieder fand. "DU HAST SIE GESCHWÄNGERT?!"
Ruckartig entfernte er das Gerät von seinem Ohr, damit hätte er rechnen können. Dennoch blieb er ruhig, sie musste nicht auch noch mitkriegen, wie sehr er daran verzweifelte. "Ja....", mehr konnte er irgendwie nicht sagen, er wusste nicht, was er sagen sollte. Wieso konnte sie ihm nicht einfach ihre Nummer geben?
"WIE KONNTEST DU NUR??", schrie sie weiter und machte eine kurze Pause, um Luft zu holen. Erst dann sprach sie weiter, ein wenig leiser, weil ihr seine empfindlichen Ohren in den Sinn kamen. "Warum? Hast du dein Hirn beiseite gelegt, oder was? Ich mein ... weißt du was das bedeutet? Du hast ihr Leben damit zerstört!" Es war ihr herzlich egal, dass er ebenfalls ein Problem damit haben könnte.
Wieder seufzte er, mittlerweile schon ein wenig genervt. "Sie hätte genauso daran denken können, und ich hab mich dementsprechend bei ihr entschuldigt, woraufhin sie gemeint hat, dass sie sowieso schon früh Kinder bekommen wollte. Hast du jetzt ihre Nummer?!", fragte er abermals. "Kagome und früh Kinder? Das ist mir was Neues! Du hast wahrscheinlich nur schlecht zugehört! Aber gut .... wenn es um so etwas geht, dann werd ich dir ihre Nummer per SMS schicken. Ich hoffe, dass du in Zukunft deine notgeile Männlichkeit besser in Zaum halten kannst! Zumindest für so lange, dass du daran denkst, dass du genau mit DEM Kinder in die Welt setzen kannst!", brummte sie aufgebracht.
"Mein Gott ist ja gut, ich mach mir selber ja schon genug Vorwürfe!", fauchte er ins Telefon. Das er so aus der Haut fuhr, wurde ihm irgendwie erst nachher bewusst. Aber er war selber schon wütend genug auf sich, da musste er nicht noch alles von allen unter die Nase gerieben bekommen. Aber zumindest bekam er nun ihre Nummer.
"Nur weil du nicht nachdenken kannst, fauch mich nicht so blöd an! Wir hören uns!", knurrte Sango und legte einfach auf. Danach suchte sie die Nummer von ihrer besten Freundin und schickte diese als Visitenkarte an Inu Yasha weiter.
Direkt hörte er das Klingeln seines Handys, nun hatte er endlich ihre Nummer. Kurzerhand gab er diese auch in sein Telefon ein. Zum Glück kannte sie seine Nummer nicht, sonst hätte sie ihn wohl direkt weggedrückt...
Unsicherheit kehrte bei ihm ein. Er wollte nicht auf den Hörer drücken. Wieder knurrte er leise. Er stand zu seinen Taten, und somit auch zu dieser. Mit einem unguten Gefühl legte er das Gerät an sein Ohr und hörte wie es tutete.
Kagome war schon lange auf und tanzte soeben fröhlich durch ihre Wohnung. Ihre Laune war unglaublich gut, allein schon aus dem Grund, dass sie am Vortag Inu Yasha so richtig eins auswischen konnte. Wobei sie zugeben musste, dass die Nummer in der Kabine noch besser war, als die in seinem Bordellzimmer.
Da hörte sie ihr Handy klingeln und eilte in ihr Schlafzimmer, wo sie es auf dem Nachttisch liegen gelassen hatte. Mit Schwung warf sie sich auf ihr Bett, schnappte das Gerät und guckte auf den Display. Die Nummer kannte sie nicht, wer das wohl war? Sie hob ab, um es heraus zu finden. "Ja hallo? Hier bei Higurashi?", meldete sie sich.
Als er ihre Stimme hörte, wusste er erstmal nicht was er sagen sollte. Somit blieb er stumm, seine Selbstsicherheit war anscheinend in Dubai, oder so. Etwas abgestockt atmete er und hatte wirklich keine Ahnung, was er tun sollte.
"Hallo? Ist da jemand?", fragte die Schwarzhaarige nach und klang immer noch genauso fröhlich, wie zuerst. Sie lag auf dem Bauch und ließ ihre Beine in der Luft baumeln, während sie darauf wartete, dass sich endlich jemand auf der anderen Seite der Leitung meldete.
Er musste sich nun wirklich zusammen nehmen. "Ha...Hallo... Kagome...", flüsterte er leise in das Gerät und hoffte doch ein wenig, dass sie es nicht gehört hatte. Seine Stimme war nicht mehr, als ein unsicheres Hauchen.
Die Beine blieben in der Luft stehen. Sie war als Ganzes erstarrt, als sie diese Stimme vernahm. Zwar war das nicht die typische, selbstsichere und arrogante Stimme, aber es war eindeutig seine! "Was willst du? Und woher hast du meine Nummer?", knurrte sie direkt und war nicht eine Sekunde verlegen darum, dass sie nicht mehr so fröhlich klang, wie zuerst.
Er zuckte am anderen Ende unmerklich zusammen. Seine Stimme brach noch etwas mehr ab. "Ich... hab die Nummer von Sango..."
Er musste mehrmals tief durchatmen, bevor er fortfahren konnte. Er konnte sich nicht aufregen. Er war selber Schuld. Somit blieb er ruhig, und doch war seine Laune, als er hörte, wie sie reagierte nochmals gesunken.
"Wie geht’s dir...", murmelte er leise ins Telefon. Wo war seine sonst so selbstsichere Art? Wieso war sie dann weg, wenn er sie wirklich brauchte?
"Bis vor deinen Anruf, ging es mir noch super. Nun muss ich mir aber Sorgen machen, dass ich an meiner schlechten Laune sterben muss! Wieso rufst du an?" Sie wollte das Gespräch kurz halten, vielleicht konnte sie so noch ein wenig ihrer guten Laune retten.
"Achso...", er brach wieder ab. Er wusste zwar genau, was er fragen wollte, aber wenn sie schon so reagierte... "Ist... Ist egal...", murmelte er wieder. Er konnte sie irgendwie nicht fragen, bei der Reaktion... Er war schon unsicher genug und dann auch noch sie. "Ich... Ich leg wieder auf...", meinte er dann mit matter Stimme. "Wollte dich nicht stören..."
Ein wenig verwundert war Kagome nun doch über seine Reaktion. Sie setzte sich auf, was ihre Decke ein wenig zum Rascheln brachte. "Bist du wirklich der Inu Yasha, den ich im Bordell kennen gelernt habe, oder sein feiger Zwillingsbruder?"
Er seufzte. "Wahrscheinlich sein feiger Zwillingsbruder...", er wusste selber wie lächerlich es sein musste. Aber es war ja auch egal, für ihn war eine Welt zusammengebrochen. Was sollte er auch anderes machen, bis gestern hatte er noch im Himmel für einen Mann gelebt und nun?
"Von einem Weichei will ich nichts. Kannst du nicht wenigstens etwas versuchen arrogant zu klingen?", es klang wirklich wie eine Bitte und sie meinte das auch vollkommen ernst. So mochte sie ihn absolut nicht und es war ihr beinahe peinlich, dass sie Sex mit ihm hatte, wenn er wirklich so war, wie er nun drauf war.
Er knurrte leise, aber aufgebracht. "Wie soll ich bitte arrogant klingen, wenn mein Leben den Bach runter geht?!", wollte er von ihr wissen. "Ist ja auch egal, dich interessiert das ja sowieso nicht. Kann ich dich jetzt was fragen?!", wollte er dann wissen. Für diesen kurzen Moment, klang seine Stimme wieder etwas fester.
Na bitte, ging doch! Man musste ihn nur ein wenig provozieren. "Du kannst fragen, soviel du willst! Ob du eine Antwort bekommst, ist eine andere Sache!" Sie grinste in das Telefon. Vielleicht konnte sie ja wieder eine kleine Diskussion mit ihm haben? Das fand sie eigentlich immer recht amüsant.
Er seufzte, seine Selbstsicherheit sank schon wieder. "Soll ich...", er brach ab und atmete tief durch, "... auch mal auf das Kind aufpassen?!", wollte er dann wissen. Wenn er sich schon in so etwas hinein ritt, dann stand er auch dazu.
Kagome hatte eben aus dem Bett aufstehen wollen, verfing sich aber mit ihren Füßen in der Bettdecke und stolperte. Zu allem Überfluss landete sie auf dem Boden, genau in dem Moment, wo er die Frage gestellt hatte. "Autsch!", brummte sie, ehe sie sich hochrappelte und ihre Haare richtete. "Was war die Frage?" Sie hatte ihm nicht zugehört, wegen ihres Sturzes.
Er wurde hellhöriger, als sie stürzte, war ihr etwas passiert? "Alles in Ordnung?!", schoss die Frage schon direkt aus ihm heraus und man konnte den besorgen Unterton heraushören.
"Ja, ja alles in Ordnung. Aber was hast du mich zuvor gefragt? Ich hab nicht hingehört, sorry!"
Er seufzte wieder. Seine Unsicherheit stieg noch weiter. "Soll... Soll ich auch mal... auf unser Kind aufpassen?!", es hörte sich komisch an... 'unser Kind', fast wäre ihm ein trauriges Wimmern entflohen.
Sie gluckste, musste sich zusammen nehmen nicht laut zu lachen und versuchte ernst zu klingen. "Ich denke nicht, dass das notwendig sein wird." Ihr Versuch war geglückt. Sie klang nicht annähernd belustigt über seine Frage.
"Achso... okay...", seine Stimme sank nochmal um einige Nuancen. Er hatte ein Kind und durfte nie etwas mit ihm unternehmen? Es schmerzte irgendwie. Seine goldenen Augen hefteten sich betrübt auf den Boden.
"Darf... darf ich... ihn, oder sie denn überhaupt sehen?!", er wusste nicht warum, aber in seiner Stimme war ein kleiner Schwall Angst zu hören. Was wenn sie nein sagen würde.
"Hör mal ... ich denke wirklich, dass es besser wäre, wenn du das nicht tust. Ich mein ... bedenk doch erst einmal, was du bist. Willst du, dass sich das Kind nachher dafür schämen müsste? Dass andere Kinder, wenn sie hinaus bekämen, dass du ein Playboy bist, den kleinen Zwerg nachher hänseln deswegen?" Bloß nicht schwach werden, redete sie sich selbst ein, während sie weiterhin versuchte stark zu klingen. Sie war bestimmt nicht die erste Frau gewesen, die er so behandelt hatte, wie sie und von daher fand sie nur, dass das mehr als gerecht war.
"Oh...", er konnte nicht mehr dazu sagen. Er musste im Moment tief durchatmen, na toll, er hatte ein Kind und würde es nie sehen? Außer eventuell auf einem Bild? Er verstand sie zwar, aber es tat dennoch weh, es so reingewürgt zu bekommen. Ganz leise zwang sich ein wehleidiges Wimmern aus seiner Kehle.
Unschlüssig ging er durch seine Wohnung, er konnte nicht Still sitzen. "Aber ich bekomme doch Fotos, oder?!", das war nun fast seine letzte Hoffnung konnte er sagen.
Sie überlegte, sollte sie so hart sein? Nein, das konnte sie auch wieder nicht machen. Sie quälte ihn zwar gerne, aber so nun auch wieder nicht. Schon gar nicht, nachdem sie das leise Wimmern wahr genommen hatte. "Ich denke ... das lässt sich einrichten.", murmelte sie.
Fast erleichtert atmete er aus. Zumindest Bilder hatte er. "Danke..." Und dennoch war er traurig, dass er sein Kind nie persönlich sehen durfte, nun aber weiter im Text. "Und ähm... wie... viel willst du haben im Monat?!", er klang mit der Zeit immer Selbstsicherer. Vielleicht würde es ja nicht so schlimm werden wie er dachte?
"Naja ... so gesehen ... ein Kind kostet wahnsinnig viel Geld und eigentlich wollte ich mein Studium machen, das kann ich ja jetzt nicht wirklich, zumindest nicht so, wie ich mir das gedacht habe. Und arbeiten könnte ich auch nicht gehen. Also wäre so .... knappe 700 im Monat denke ich schon notwendig." Sie hatte im Grunde keine Ahnung, was so ein Kind kostete, aber so einfach wollte sie es ihm auch nicht machen.
Fast hätte er einen Hustenfall bekommen?! 700?! Wie sollte er das denn machen?! Wieder entkam ihm ein wehleidiges Wimmern.  "Wie soll ich das denn schaffen? Ich hab noch keine Ausbildung!", seine Stimme klang verzweifelt.
Sie seufzte. "Das ist mir reichlich egal, aber ich muss MEIN Kind doch von etwas ernähren und ankleiden, oder nicht? Und wie gesagt, ich kann die erste Zeit nicht arbeiten gehen und wenn, dann nur geringfügig. Da kommt nicht viel dabei raus."
Damit hätte er rechnen können. "Wovon soll ich denn Leben?!", seine verzweifelte Stimme war immer deutlicher zu hören! Er wusste es doch nicht! Was sollte er machen?! Wovon sollte er dann noch Wohnen, Essen, Klamotten? Er musste doch auch ein Leben führen! "Wovon soll ich mich denn ernähren? Kagome, bitte!"
"Brot und Wasser? Was weiß ich? Warum fragst du mich das? Das hast du dir selbst eingebrockt!" Sie war wirklich schon ein wenig genervt von dem Hanyou. Konnte er nicht einmal logisch denken? War wohl nicht gerade der Hellste.
Kurz blieb er stumm. "Und wo soll ich Leben? Ich kann doch mit dem Restgeld keine Miete bezahlen!"
"Zieh zu deinen Eltern!", kam die genervte Antwort des Mädchens.
Er verstummte. Sagte gar nichts mehr. Für einige Minuten war nur sein Atem zu hören. Das war sein wunder Punkt. Er hatte keine Eltern mehr... "Soll ich mich auch begraben lassen, oder wie?!", hauchte er traurig durch das Telefon, ehe er einfach auflegte. Nun wollte er wirklich seine Ruhe haben.
Geschockt ließ sie das Handy fallen. Das hatte sie nicht gewusst, woher denn auch? Nun tat ihr ihre Antwort auch schon wieder leid. Sollte sie zurückrufen und sich entschuldigen, oder es lieber dabei belassen, wie es war? Nach kurzem Überlegen kam sie zum Schluss, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte.

Erneut seufzte Inu Yasha leise und schaute auf das Telefon in seiner Hand. Irgendwie war dieses Mädchen nicht immer nur gut für ihn. Erst hatte er den besten Sex des Lebens, dann brach für ihn, wegen ihr eine Welt zusammen. Und nun? Nun brachte sie ihn wieder dazu, darüber nachzudenken, was er so mühsam verdrängt hatte. Den Tod seiner Eltern.
Er legte das Telefon auf die Seite und stand auf.

Wie konnte sie nur so dumm sein? Eigentlich hätte sie wissen müssen, dass es niemals gut war, wenn man die Eltern von jemanden ansprach, den man nicht einmal kannte. So etwas konnte immer schief gehen .... so wie eben.
Sie ging in die Küche und sah sich in ihren Schränken um. Irgendwo musste sie doch Schokolade haben, oder nicht? Sie war sich fast schon sicher, dass sie erst welche gekauft hatte. Kurz dachte sie nach, dann fiel es ihr wieder ein. Die hatte sie gegessen, als sie das erste Mal Frust wegen Inu Yasha hatte. Und zwar am Vorabend.
Leicht sauer brummte sie, dann musste sie sich eben etwas anderes suchen, womit sie ihren Frust loswerden konnte, nur was?

Er ging in die Küche, eventuell sollte er anfangen zu kochen? Immerhin musste er heute was zu Mittag essen, und vielleicht lenkte es ihn ab.
Kurzerhand nahm er ein paar Töpfe, Kartoffeln und einige andere Sachen aus seinen Schränken.
Dennoch schweiften seine Gedanken immer wieder zu diesem Mädchen, natürlich konnte sie nichts dafür, sie wusste nicht, dass seine Eltern gestorben waren... aber dennoch, es tat weh.
Heute Nachmittag, viel mehr Abend, traf er sich mit Miroku, ihm sollte er es auch erzählen, immerhin verstand er ihn, und er war einer der Wenigen, die von seiner Vergangenheit wussten.

Kagome war gerade dabei Kartoffeln in einen Topf voller Wasser zu geben. Sie war ehrlich betrübt und ihr Gewissen plagte sie unheimlich. Also wollte sie sich ablenken, indem sie sich etwas kochte, wenn sie schon keine Schokolade zu Hause hatte.
Nachdem das Gemüse versorgt war, schnappte sie sich noch einige Paprika und begann diese klein zu hacken.

Er stellte die Schüssel mit dem klein gehackten Gemüse neben sich auf dem Tresen ab. Nahm die Kartoffeln und schnitt sie in dünne Scheiben, welche in eine Auflaufform gelegt wurden, sodass kleine Fächer entstanden.
Sein Kopf hob sich etwas, und er schaute auf den Schrank. Wieso kamen diese ganzen Gedanken nun wieder? Über Jahre musste er sie unterdrücken, bis es irgendwann geklappt hatte. Und nur dieser eine Satz von ihr reichte aus?
Er seufzte kurz und schielte dann zur Türe, ihm war fast so, als würde er dort eine Aura spüren. Merkwürdig.

Leise summte das Mädchen vor sich hin, während sie immer mehr in die Auflaufform stopfte. Doch dann hielt sie auf einmal inne in ihrem Tun und sah zur Türe von der Küche. Sie hatte das Gefühl, als wäre sie nicht alleine. Seltsam.
Sie versuchte dieses Gefühl zu ignorieren und machte weiter mit dem Hackfleisch, aber es ging nicht. Ihre Augen wanderten immer wieder zu dem kleinen Eingang. Fast hätte sie sogar die erste Schicht des Auflaufs versalzen.

Schon wieder, wie die letzten paar Minuten wanderten seine goldenen Irden zu der Tür. Ihm war wirklich so, als wäre dort eine Aura präsent.
Dennoch machte er weiter, schichtete immer wieder Kartoffeln und Hackfleisch aufeinander, während er nebenbei auf die Soße aufpasste, welche er nachher darüber geben würde.
"Magst du mir mal den Löffel geben?!", fragte er und hielt seine Hand offen nach links, und wartete.

Sie wühlte in der Lade, suchte wild herum, wo war nur der verdammte Kochlöffel? Wenn sie ihn nicht bald fand, würde alles anbrennen! Dann endlich fand sie ihn und zog ihn glücklich aus der Lade hinaus. In dem Moment fiel ihr Blick wieder auf diese verdammte Türe, die sie bald auseinander hackte, wenn sie da noch öfters hinsehen musste und keine Sekunde später, fiel ihr auf einmal das Kochgerät aus der Hand.

Er schüttelte nun bestimmt zum 50-ten Mal den Kopf, warum fragte er bitte die Luft, ob sie ihm einen Kochlöffel geben konnte?
Sein Blick huschte zur Tür und seine Ohren zuckten, da hatte doch was gescheppert, oder?
Kurz ging er zu der Türe und schaute sich in der kleinen Wohnung um. Da war nichts! Verwirrt ging er wieder zurück in seine Küche. Wurde er nun vollends verrückt?
Er seufzte noch einmal, schmeckte seine Soße noch einmal ab und würzte sie nach. Er mochte es gerne scharf.

Den Kochlöffel aufgehoben und abgewaschen rührte sie in der Soße herum. Ihre Gedanken schweiften erneut ab, wieder aus dem Grund, dass sie das Gefühl hatte, als wäre noch jemand hier. Sie musste ehrlich einen Schaden davon getragen haben! Dabei hatte sie nichts auf den Kopf bekommen, oder? Nicht, dass sie wüsste. Trotzdem bekam sie es langsam mit der Angst zu tun. Sie glaubte nicht an Geister, aber das hier war ihr schon unheimlich. Was bedeutete das alles? Und wieso war ihr der dämliche Löffel zuvor aus der Hand gerutscht? Dieses Teil war ihr noch nie auf den Boden gefallen, warum heute?
Langsam wusste sie sich nicht mehr zu helfen und versuchte sich wieder auf ihre Soße zu konzentrieren. Sie gab noch einen kräftigen Schuss von scharfer Würze dazu. Was gab es Schöneres, als es so richtig auf der Zunge brennen zu spüren? Besser als jeder Sex auf Erden!

Er öffnete den Ofen und stellte seine Auflaufform hinein. Noch 30 Minuten warten und er hatte sein Mittagessen.
Wieder schweifte sein Blick zur Tür, da war doch ein Schatten? Kurz schüttelte er den Kopf und blickte wieder in Richtung des Eingangs. Nichts.
Kurz fasste er sich an den Kopf. Das konnte ja noch lustig werden. Nun musste er warten.
Schnell ging er auf seine kleine Terrasse und steckte sich eine Zigarette an. Nach einigen Zügen schmeckte er das Nikotin, welches ihn etwas beruhigte. Dennoch blieben die unruhigen Gedanken.

Endlich war ihr Essen im Herd und brutzelte fröhlich vor sich hin. Ihr Magen knurrte ein wenig und sie freute sich schon richtig auf ihren Auflauf.
Erneut erstarrte sie, als sie eine Gänsehaut bekam und ihr ein Schauer über den Rücken lief. Himmelarsch und Wolkenzwirn, sie musste eindeutig zu einem Therapeuten! Solche Wahnvorstellungen hatte sie noch nie. Und dennoch, es ließ sie nicht in Ruhe. Langsam ging sie auf die Türe zu, legte vorsichtig die Hand auf den Griff, als wäre er höllisch heiß, und schon im nächsten Augenblick riss sie das Holz auf. Aber da war nichts auf der anderen Seite.

Rauchend stand er auf der Terrasse und drehte sich, nachdem er ein Geräusch gehört hatte um. Das war doch eine Tür.
Er dämpfte die Zigarette aus und ging wieder in seine Wohnung. Verdammt hier war niemand! Er würde es riechen und spüren.
Verwirrt lehnte er sich an den Türrahmen, von der Küchentür an. Ihm war aber auch wirklich so, als würde er eine Aura spüren. Leise knurrte er, was war los mit ihm?

Immer noch stand die Schwarzhaarige in der Tür, inzwischen schon leichenblass. Sie hatte Angst und war alleine. Großartig! In ihrer Wohnung spukte es und niemand war hier, um sie zu beschützen, das durfte doch nicht wahr sein!
Schnell schritt sie ins Wohnzimmer, zum Radio und schaltete es ein. Das musste helfen! So laut, wie es ihre Nachbarn  nicht störte, drehte sie die Musik an und versuchte weiterhin auf andere Gedanken zu kommen. Doch das war leichter gesagt, als getan.
Wieder sah sie sich um. Sie war alleine, eindeutig! Wobei .... im Bad hatte sie noch nicht nachgesehen. Vielleicht war ja ein Einbrecher da?

Er grummelte leise und ging dann in sein Schlafzimmer. Er sollte aus den Schlafklamotten raus.
Er schnappte sich ein paar Sachen und verschwand dann im Badezimmer, wo er sich unter die Dusche stellte und das Wasser über seinen Körper laufen ließ. Es tat immer wieder gut, er entspannte sich unglaublich gut, wenn er duschte, die Wassertropfen waren wie eine Massage für ihn.
Aber selbst hier fühlte er sich beobachtet. Das war doch nicht wahr! Irgendetwas war hier faul!

Mit leisen Schritten näherte sich Kagome der Badezimmertür. Sie hörte, wie ein paar Wassertropfen aus dem Duschkopf tropften. Hatte sie ein Leck? Konnte sie sich nun auch noch einen neuen Duschkopf zulegen? Ganz toll ...
Aber zuerst musste sie heraus finden, ob wirklich kein Einbrecher in der Wohnung war. Sie ging an ihrem Schirmständer vorbei, wo ihre Mutter so ein großes, altes Teil einmal vergessen hatte. War doch fast genauso gut wie ein Baseballschläger.
Beim Bad angekommen, zögerte sie nicht so lange, wie in der Küche und riss die Türe mit einem lauten "Bansai!" auf.

Als wäre irgendjemand plötzlich in das Badezimmer gestürmt, zuckte er zusammen und seine Muskeln spannten sich bis zum Bersten an.
Er war wirklich vollends verrückt geworden.
Er stellte das Wasser für einige Sekunden eiskalt, um sich abzukühlen, vielleicht würde das helfen?
Nach kurzer Zeit wurde es dann wieder lauwarm gestellt und er fing an seine Haare einzushamponieren. Welche dann auch wieder ausgewaschen wurden.
Als er fertig war, trocknete er sich ab und band sich ein Handtuch um die Hüften, bevor er die Duschkabine verließ.

Wie die größte Idiotin auf Erden stand sie in ihrem Bad, den Schirm in beiden Händen, über ihrem Kopf erhoben. Wie dumm musste sie aussehen? Natürlich war niemand in dem Raum, also senkte sie ihre Waffe und ging aus dem Bad hinaus. Eindeutig Halluzinationen. Vielleicht sollte sie wirklich einen Therapeuten aufsuchen! So dämlich kann doch niemand sein!
Wie ein Blitz traf sie auf einmal eine Erkenntnis. "Der Ofen! Scheiße!"

Er stand im Bad und betrachtete sich für einige Minuten im Spiegel. Er sah gut aus, das wusste er schon immer und er, fand er es zumindest, wirkte nicht einmal eingebildet dabei, weil es stimmte.
Wieder, zum wievielten Male mittlerweile?, schüttelte er den Kopf, trocknete seine Haare und zog sich an.
Ein weißes TankTop, mit eine, riesigen schwarzen Tribal Muster auf der Rückseite und eine Jeans in Tarnoptik.
Er hob den Kopf etwas an, hier roch etwas ein wenig angebrannt. Kurz schnüffelte er noch einmal, und dann fiel es ihm wieder ein.
Innerhalb von Sekunden stand er wieder in der Küche und holte, die Auflaufform aus dem Ofen. Das war so gerade noch einmal gut gegangen.

"Verdammter Dreck!", schimpfte sie, während sie die Form aus dem Ofen holte. Sie hatte ein Tuch genommen, doch nicht alle ihre Finger waren unter dem Stoff gewesen, also hatte sie sich verbrannt. Aber ihr Essen war heil geblieben, was für ein Glück.
Zufrieden schaufelte sie sich eine Portion auf einen Teller und stellte sich diesen an ihren Küchentisch. Jetzt konnte sie endlich essen und danach würde sie ein Buch lesen. Beim Lesen konnte sie immer abschalten und vergaß alles um sich herum. Das war bestimmt das beste Heilmittel für ihre Nerven.

Er stellte den leeren Teller in die Spüle, das tat gut, und er war satt. Auch wenn die Auflaufform leer war. Somit landete diese ebenfalls in der Spüle.
Er schaute auf seine Uhr. 13:30 Uhr. Um 17:30 Uhr wollte er sich mit Miroku treffen. Was sollte er bis dahin machen? Er war angezogen, geduscht, und sonst war auch alles fertig, er musste sich aber Ablenken! Unbedingt!
Er ging wieder in sein Wohnzimmer und schaute sich seine Einrichtung an. Sogar geputzt war alles. Seufzend setzte er sich auf sein Sofa und schaltete den Fernseher ein. Dann musste er wohl Trash-TV schauen.

In eine dünne Decke gekuschelt lag Kagome seitlich auf ihrer Couch. Zwei dicke Polster unter ihrem Kopf und ein Buch in der Hand. Das war herrlich. Gut gegessen hatte sie auch und nun wollte sie sich einfach nur noch entspannen. Das gelang ihr soweit auch ganz gut, denn es dauerte nur wenige Minuten, bis sie eingeschlafen war, das offene Buch neben ihr.

Er schaute wieder auf die Uhr. 17:00 Uhr. Verwundert blickte er erneut auf das Gerät.
Okay, die Sendungen waren wirklich Niveaulos, aber sie vertrieben Zeit. Somit stand er auf, schaltete alle Lichter aus und verließ seine Wohnung.


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