Sango, Retterin in der Not

In der Innenstadt war wenig los, an dem Samstag Morgen, wo es sich Inu Yasha in einem kleinen Café gemütlich gemacht hatte. Er genoss den Gastgarten und die wärmenden Sonnenstrahlen. Freundlich bedankte er sich bei der Kellnerin, die ihm seinen Kaffee brachte. Schüchtern lächelte sie ihm zu und ging wieder ihrer Arbeit nach.
Der Hanyou schlug seine mitgebrachte Zeitung auf und fing an darin zu lesen, während er sich eine Zigarette anzündete. Er konnte sich nicht auf die Buchstaben vor seinen Augen konzentrieren, denn seine Gedanken schweiften ab. Es waren nun 5 Wochen vergangen, als er Kagome kennen gelernt hatte. Langsam hatte er die Hoffnung schon aufgegeben, dass er sie wieder sehen würde.
Er strich seine Stirnfransen aus seinem Gesicht, legte die Zeitung zur Seite und erneuerte seinen Zopf, den er auch heute wieder trug. Eigentlich sollte er den Tag einfach genießen, ohne dass er an jemanden dachte, den er wohl nie wieder sah. Er hatte frei, seine zwei Freunde leider nicht, sonst würde er nicht hier alleine sitzen.
Also beschloss er nun einfach die angenehme Ruhe zu genießen, die ihn umgab. Doch nur wenige Minuten später hörte er Gekicher hinter sich. Er verdrehte die Augen, das war bestimmt so ein kleines Mädchen, das die Schule schwänzte. Genervt drehte er sich um und erstarrte, als er sah, wer hinter ihm auf dem runden Tisch saß. Kagome.
Der Hanyou schloss noch einmal kurz die Augen, öffnete sie wieder, aber er hatte sich nicht geirrt. Es war wirklich das Mädchen. Und sie war alleine! Ihr Handy hatte sie am Ohr und lachte erneut auf. Schnell drehte er sich wieder um, damit sie ihn nicht sofort erkannte und die Flucht ergriff, ehe sie bestellt hatte. Die Ohren gespitzt, lauschte er dem Telefongespräch.
„Nein, nein. Ja ich weiß, ich hab mich immer noch nicht entschieden, aber es gibt so viel, was ich studieren könnte. Klar interessiert mich das alles, das ist ja das Problem. Nein, ich werde nicht einfach alles durchprobieren. Ayame, du bist so herrlich dumm manchmal. Nicht aufregen, Süße, das ist doch einer der Gründe, warum ich dich liebe. Ja okay, wir sehen uns dann später. Ich freue mich schon auf dich und Sango. Bis bald.“
Ein Lächeln legte sich auf die Lippen von Inu Yasha. Das Mädchen hinter ihm klang so fröhlich, unbeschwert. Es war eine Freude ihr zuzuhören. Eigentlich sollte er nicht so denken, dass wusste er. Immerhin war sie eine Kundin, wenn auch nicht ganz so freiwillig. Aber er konnte nicht anders. Sie war wirklich süß. Vielleicht konnten sie sich etwas anfreunden? Eine Beziehung wagte er sich gar nicht erst vorzustellen, egal mit welcher Frau. Keine Einzige würde seine Arbeit dulden und gut heißen.
Inu Yasha hörte, wie die Kellnerin die Bestellung des Mädchens aufnahm und wieder ins Innere des Cafés verschwand. Das war seine Chance. Er stand auf, drehte sich um und setzte sich, mitsamt seiner Tasse Kaffee, auf den Stuhl hinter sich. Er grinste, als er in das geschockte Gesicht von Kagome sah. „Hallo, kleine Kagome.“, grüßte er sie und nahm einen Schluck seines Getränks. Ihr stand der Mund immer noch offen.
Wahrscheinlich glaubte sie nicht, wen sie hier vor sich hatte, denn ihre Augen wanderten immer wieder an ihm hinab und wieder nach oben. Leicht belustigt hob er eine Augenbraue. „Glaubst du, dass ich privat auch so herum laufe, wie an meinem Arbeitsplatz?“ Sofort wanderte ihr Blick auf den silbernen Bistrotisch vor ihr. „Kann man ja nie wissen.“, murmelte sie.
Noch einmal musterte sie ihn. Er trug eine dunkelblaue Jeans, die ein sehr modernen Schnitt hatte und darüber einen einfachen, weißen Pullover, dessen Ärmel er aufgekrempelt hatte. Das Kleidungsstück bestand nur aus sehr dünnem Material, aber er sah darin einfach nur hinreißend aus. Ganz anders, als im Bordell.
„Bestehe ich die Prüfung?“, lachte er leise und sie lief sofort rot an. Sie hatte ihn wohl doch länger angestarrt, als was sie wollte. Die Verwirrung war ihr immer noch ins Gesicht geschrieben. „Was machst du hier?“, wurde sie nun neugierig. „Kaffee trinken, was denn auch sonst.“ „Musst du nicht im …  ähm deiner Arbeit nachgehen?“ „Nein, heute einmal nicht. Und wenn, dann bestimmt nicht um diese Uhrzeit. Dafür wäre es viel zu früh.“
Automatisch blickte Kagome auf ihre Armbanduhr. Es war kurz nach elf Uhr, stimmt, eindeutig zu früh, für solche Etablissements. „Hätte ja sein können. Also hast du frei?“, direkt, nachdem sie die Frage gestellt hatte, biss sie sich auf die Zunge. Das klang doch fast schon so, als würde sie ihn im nächsten Augenblick nach einem Date fragen.
Anscheinend hatte er es auch so aufgefasst, denn seine Blicke waren nun eindeutig interessierter, als zuvor. „Ich .. ich … also nicht, dass du glaubst … ich will … also …!“, stotterte sie darauf los und entlockte ihm, mal wieder, ein Grinsen. „Nein, keine Sorge. Du triffst dich nachher noch mit den zwei reißenden Bestien. Ich nehme es nicht als Angebot auf, dass du nachher mit zu mir nach Hause kommst.“, neckte er sie noch ein wenig. „Wobei ich glaube, dass, sobald du mit mir alleine in einem Zimmer wärst, wieder schreiend davon laufen würdest.“, setzte er noch hinten dran.
Da hatte er wohl einen wunden Punkt getroffen, denn sie warf ihm tödliche Blicke zu. „Ich bin nicht schreiend davon gelaufen!“, fauchte sie und bedankte sich schnell bei der Kellnerin, die ihr soeben ihre heiße Schokolade mit Sahne brachte. Nachdem die Angestellte wieder weg war, redete Inu Yasha weiter: „Stimmt, geschrien hast du nicht, obwohl ich es dir zugetraut hätte.“
Genüsslich beobachtete er, wie sie mit dem Löffel ein Stück der Sahne nahm und sich den Bissen seufzend zwischen ihre Lippen schob. Sofort fielen ihm einige kleine Spielchen ein, was er mit ihr, inklusive der Sahne, alles anstellen konnte. Er biss sich auf die Unterlippe, damit er den Mund hielt und nichts Falsches sagte. Doch sie durfte bemerkt haben, dass er ein wenig abgelenkt war, von ihrer ungewollt heißen Einlage. „Was?“, wollte sie unschuldig wissen.
Oh Mann … wie konnte man nur so brav und nichtsahnend sein, fragte er sich in Gedanken, während er weiterhin beobachtete, wie sie sich einen Löffel nach dem anderen in ihren Mund schob und dann leckte sie auch noch das Besteck ab. Er kam ins Schwitzen. Wusste sie wirklich nicht, wie sie gerade auf ihn wirkte? Dass sie ihn unheimlich scharf machte, er sie sofort auf den Boden legen wollte und über sie herfallen?
Schnell versuchte er sich abzulenken. „Warum bist du vor mir weg gelaufen?“ Er war froh, als sie endlich den Löffel zurück auf die Untertasse legte und atmete erleichtert auf. „Das fragst du noch? Du kannst froh sein, dass ich meine Schokolade hier genießen will, sonst wäre ich schon längst gegangen.“ „Wieso? Ich meine … ich habe dir nie etwas getan. Ihr seid zu mir gekommen, nicht umgekehrt.“ Mit der lächerlichen Antwort, wollte er sich nun wirklich nicht zufrieden geben, da konnte ruhig mehr kommen.
Sie holte tief Luft. „Stimmt, du hast mir nie etwas getan, aber es war einfach die Situation. Ich meine … da steh ich vor dir und du willst mir an die Wäsche! Was hast du erwartet?“ „Was ich erwartet habe? Kleine, denk doch mal nach! Jede Frau, die zu mir kommt, will dass ich ihr an die Wäsche gehe.“ „Tja, ich eben nicht.“ Trotzig verschränkte sie ihre Arme vor der Brust und starrte ihn eisig an. Sie wollte nicht weiter mit ihm reden, aber er ignorierte ihren Blick. Er war so froh, dass er sie nun endlich einmal angetroffen hatte, da wollte er nicht gleich wieder verschwinden, sondern sich ein wenig mit ihr unterhalten.
„Lassen wir das lieber. Da kommt nur Streit raus. Aber etwas würde mich noch interessieren.“, redete er fröhlich weiter, während sie ihm wieder einen fragenden Blick zuwarf. „Warum haben deine Freundinnen meine Kollegen so zugerichtet?“ auf diese Frage hatte er bislang von Niemandem eine Antwort erhalten. „Ist doch ganz einfach. Sie wollten nur ein wenig Spaß, aber als die Beiden dann immer aufdringlicher geworden sind und Dinge machen wollten, die über ihre Vorstellungen hinaus gingen, da konnten sie sich nicht mehr zurück halten. Genauso wenig wie deine Freunde.“
Inu Yasha dachte nach, er verstand ihre Antwort nicht ganz. „Was wollten sie denn machen? Sie hätten doch auch einfach nein sagen können.“ „Das haben sie ja, aber deine Kollegen sind wohl ein wenig taub, oder hatten vergessen sich die Ohren zu putzen. Sie haben dieses nein einfach nicht akzeptiert.“ Der Weißhaarige fasste sich an die Stirn und verfluchte die Beiden innerlich. Wie konnten sie nur so die oberste Regel missachten? „Ich denke, dass mit den Beiden die Pferde durchgegangen sind. Eigentlich haben wir nie so junge Kundschaft wie euch. Das war etwas anderes.“, versuchte er sie dennoch zu verteidigen.
Kagome dachte wieder kurz nach. Wieder kam Neugierde in ihr hoch. „Wie alt sind denn deine … Besucherinnen im Normalfall?“ „Ach selten unter dreißig. Immer so reiche Ladies, die ihre alten Männer betrügen, weil sie nur auf ihr Geld aus sind und sich bei uns das holen, was sie haben wollen.“ „Können sie das nicht auch zu Hause?“ Wieder so eine naive Frage ihrerseits. Aber er musste lächeln, sie war wirklich süß.
„Wenn man einen Mann heiratet, der ungefähr siebzig oder achtzig Jahre alt ist, dann muss man sich woanders guten Sex besorgen. Und meine zwei Kumpels und ich verschaffen ihnen den.“ Er wusste selbst, wie eingebildet er im Moment klang, aber bislang hatte er dieses Lob noch von jeder Kundin bekommen gehabt. „Du bist ja sehr von dir überzeugt, wenn du das so einfach behaupten kannst.“, wurde sie frech. „Du kannst es ja ausprobieren, wenn du dich davon überzeugen möchtest!“, gab er ihr die Retourkutsche. „Das hättest du wohl gerne!“ „Und wie, davon träume ich jede Nacht!“ Dieses Grinsen trieb sie in den Wahnsinn und er war wirklich um keine Antwort verlegen, dass machte sie rasend.
„Pass lieber auf, dass du nicht noch auf dein vorlautes Mundwerk fällst!“, brummte sie und ließ sich nach hinten in die unbequeme Lehne fallen. „Ich werde mich hüten, Kleine. Aber sag mir nun lieber, warum so ein süßes Ding wie du, keinen Kerl hat, der sie umschwärmt.“ Wieder zierten zwei rote Flecken ihr Gesicht. Sie musste zugeben, dass sie sich nun doch ein wenig geschmeichelt fühlte nach dem Kompliment. „Keine Ahnung. Das sind alles Idioten, denken nur an sich und wollen dich sofort ins Bett bekommen.“ „Also alles so Kerle, wie ich?“
Sie fuhr mit dem Kopf hoch und sah ihn an, so hatte sie das eigentlich gar nicht gemeint gehabt. Hatte sie nun seine Gefühle verletzt? So sehr sie auch vermied ihn jemals wieder zu treffen, es war doch eben nur sein Job, dass er mit ihr ins Bett wollte, oder nicht? „Ich … es tut mir leid … so habe ich das nicht gemeint.“ Wieder lächelte er sie an. „Doch glaub mir, das hast du so gemeint. Außer ich muss dir das ebenfalls beweisen, dass es so ist, wie du glaubst, dass es ist. Dann könnten wir sofort los.“
Aus der eben noch vorhandenen Verlegenheit wurde Zorn. „Himmel noch einmal, bist du immer so pervers? Kannst du nicht ein normales Gespräch mit einer Frau führen?“ „Frau? Oder kleines, naives Mädchen?“, fuhr er ihr dazwischen. Das war eindeutig genug, sie griff nach ihrer Tasche und stand auf. Das musste sie sich nicht länger anhören.
Eben wollte sie an ihm vorbei gehen, da spürte sie seine Finger um ihr Handgelenk. „Lauf nicht immer weg, kleine Kagome! Wie gesagt, beißen tue ich nur gegen Bezahlung.“ „Lass mich los, du Mistkerl! Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben!“ Sie zog an ihrer Hand und befreite sich aus seinem Griff, aber nur, weil er sie losgelassen hatte. Abrupt drehte sie sich um und eilte davon, einen leise lachenden Inu Yasha zurücklassend.
Nun hatte er einen Triumph in der Hand, von dem sie noch nichts wusste. Sie hatte vergessen ihre heiße Schokolade zu bezahlen, also musste er das für sie erledigen. Und er war sich ziemlich sicher, dass sie das nicht auf sich sitzen lassen wollte. Aber was ihn am Meisten freute war, dass sie ihn bestimmt im Bordell besuchen würde. Wie sehr ihn das doch freute.
Jetzt wollte er aber seinen freien Tag genießen und einmal das tun, was normale Menschen auch taten. Er winkte der Kellnerin, bezahlte und machte sich auf den Weg in die Innenstadt. Lange war er schon nicht mehr in dem Buchladen gewesen. Vielleicht lag es auch daran, dass die Besitzerin eine Kundin von ihm war, aber heute war ihm das herzlich egal. Schade, dass Kagome nicht mehr bei ihm war. Sie hätte ihm bestimmt ein gutes Buch verraten können, denn sie las gerne. Zumindest nahm er das an, als er das Buch in ihrer offenen Tasche gesehen hatte. Ein Liebesroman, wie hätte es auch anders sein sollen?
Er betrat den Laden, in dem zum Glück ein wenig mehr los war und sich die Besitzerin nicht direkt auf ihn stürzen konnte. Somit ging er langsam durch die Gänge, besah sich immer wieder ein Buch, welches ihm in die Augen sprang, legte es aber wieder zurück, nachdem er den Inhalt gelesen hatte. Er wusste wirklich nicht, auf was er genau Lust hatte.
„Gott, was machst du denn hier?“, hörte er eine weibliche Stimme neben sich. Verwundert drehte er seinen Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam und hätte fast zu lachen angefangen, als er Sango erblickte. „Was werde ich hier wohl machen? Stellst du immer so kluge Fragen, Süße?“ „Naja, wenigstens siehst du heute richtig passabel aus. Suchst du tatsächlich ein Buch?“, wollte sie wissen und richtete sich die fünf Bücher, die sie am Arm trug.
Inu Yasha hob eine Augenbraue. Durfte man als Playboy kein normales Leben haben, oder wie sah das Ganze aus? „Warum nicht?“, stellte er die Gegenfrage. „Naja, weil das hier die Abteilung ist, wo nur Frauen hingehen. Weißt schon, Liebesromane, Herzschmerz und so ein Müll.“
Stimmt, das hatte er gar nicht bemerkt gehabt. Aber um eine Ausrede war er ja noch nie verlegen gewesen: „Naja, ich muss doch wissen, auf was Frauen so im Allgemeinen stehen. Was sie scharf macht, oder nicht?“ Ein neckisches Grinsen hatte er aufgelegt und sah zu, wie Sango leicht errötete. Sie war also doch nicht immer so schlagfertig, wie sie tat. „Jetzt lach mal, Süße. Das war ein Scherz. Ich war in Gedanken versunken, deshalb steh ich hier. Aber was hast du denn da für Bücher in der Hand?“
Interessiert musterte er die Einbände. Es handelte sich um lauter wissenschaftliche Bücher, Biologie, Physik und lauter solche Sachen. Und sie sahen sehr schwer aus. „Soll ich dir die abnehmen? Eine junge Frau sollte nicht so schwer tragen. Das ruiniert den schönsten Körper eines jeden Mädchens.“ „Nein … danke, das … geht schon … so.“, stotterte sie los und wurde noch eine Spur roter im Gesicht, sodass sie ihren Kopf abwandte. „Ich … ich geh dann mal. Schönen Tag .. noch.“, plapperte sie schnell dahin, war aber so verwirrt, dass sie über ihre eigenen Füße stolperte. Sie wurde jedoch noch rechtzeitig an den Armen gepackt, bevor sie fiel.
„Alles okay?“, fragte der Hanyou, der sie immer noch an der Hüfte fest hielt, wo er sie aufgefangen hatte. „Ähm, ja. Danke.“ Nickend ließ er sie los und sie kniete sich nieder, um die Bücher aufzusammeln, die nicht so viel Glück gehabt hatten. Inu Yasha, Gentleman wie er war, kniete sich ebenfalls hinunter, um ihr zu helfen und hatte plötzlich ein sehr interessantes Buch in der Hand. „Was ist denn das?“, er war sichtlich amüsiert, als er den Titel las und das ließ Sango wieder Schamesröte ins Gesicht steigen.
Das Buch war relativ dünn und somit hatte er es nicht entdeckt gehabt zwischen den Anderen. „Mensch, Sango. Willst du Miroku doch noch einmal besuchen?“, lachte er los und hielt ihr das Buch unter die Nase. „Er bringt dir das Kamasutra bestimmt besser und schneller bei, als dieses Büchlein hier.“, redete er nun etwas leiser weiter. Da sie immer noch schwieg, stichelte er ein klein wenig tiefer. „Miroku gibt auch so privat Unterricht, musst nicht einmal dafür bezahlen, es wäre ihm bestimmt eine Ehre.“
Sango explodierte gleich, aus Scham wurde Wut und die konnte sie nicht länger unterdrücken. Sie riss ihm das Buch aus der Hand und legte es wieder auf ihren Stapel. „Ich brauche deinen schmierigen Freund nicht dazu! Ich habe mehr Ahnung davon, als ihr alle glaubt! Und wiedersehen will ich den Kerl auch nicht mehr!“ Die anderen Kundschaften drehten sich zu den Beiden um, denn das Mädchen hatte nicht sehr leise gesprochen gehabt, was auch zur Folge hatte, dass die Besitzerin des Ladens aufmerksam wurde.
Inu Yasha erblickte seine eigentliche Kundin und wollte nichts lieber, als sofort verschwinden. „Okay, war nett Sango, aber ich muss nun leider wieder los.“ Er drehte sich um und war schon fast bei der Türe, da legten sich zwei Arme um seinen Linken. Er schloss die Augen und atmete einmal tief durch. Dann drehte er sich lächelnd um und blickte in zwei braune Augen. „Hallo, Kikyo.“, begrüßte er die Chefin.
Diese strahlte ihn an, als würde es kein Morgen mehr geben. „Hallo, Inu Yasha. Schön, dass du mich besuchen kommst. Willst du nicht mit mir die Pause verbringen?“ Ja, so war sie immer schon gewesen. Aber er war nun mal nicht im Dienst und Hausbesuche machte er schon gar nicht. Da konnte man ihm zahlen, so viel man wollte. „Danke, aber ich habe noch einen Termin, ich kann nicht.“, während er das sagte, strich er ihr eine schwarze Haarsträhne hinter ihr linkes Ohr. „Ach komm schon!“, drängte sie weiter.
Sango hatte das Schauspiel beobachtet und irgendwie tat ihr der Hanyou leid. Wenn sie sich das richtig im Kopf ausgemalt hatte, dann war das wohl eine Freundin von ihm, wenn nicht sogar eine Kundin. Und es schien ihm auch gar nicht zu gefallen, dass er sie antraf, auch wenn er lächelte. Aber diese schwarzhaarige Ziege bekam das wohl auch gar nicht mit.
Auch wenn sie sich dafür bis an den Rest ihrer Tage ärgern würde, beschloss sie, dass sie Inu Yasha aus der misslichen Lage half. Geradeaus steuerte sie auf die zwei Personen zu und baute sich vor dem Weißhaarigen auf. „Flirtest du schon wieder einfach so mit irgendwelchen Frauen? Also wirklich! Ich dachte, dass du das aufgegeben hast! Wie konnte ich mich nur so in dir täuschen?“, dann gab sie dem verdutzten Halbdämon eine Ohrfeige, drückte Kikyo ihre Bücher in die Hand und sah diese sauer an. „Ich will das bezahlen und zwar sofort! Und danach werde ich nie wieder einen Fuß hier hinein setzen! Ist doch eine Frechheit, wenn sich die Angestellten hier an die Männer anderer ran schmeißen!“
Kikyo sah sie entgeistert an, trug die Ware aber dennoch zur Kasse, wo Sango ihr hin folgte. Inu Yasha hatte inzwischen das Geschäft fluchtartig verlassen, wartete aber auf das Mädchen, dass ihm seine Haut gerettet hatte. Es dauerte kurz, aber dann erschien sie mit einer großen Tüte in der Hand, sichtlich zufrieden.
Er trat auf sie zu. „Sango, du bist meine neue Heldin. Die wäre ich nie ohne deine Hilfe los geworden. Wie kann ich mich bei dir bedanken?“ Die Antwort bekam er, als sie ihm die schwere Tüte in die Hand drückte. „Du kannst mich begleiten, das ist schwer und ich habe noch eine Verabredung. Wenn wir ankommen, kannst du dann gehen.“ Inu Yasha lächelte amüsiert. Er mochte Sango, das hatte er soeben beschlossen. Also trug er ihr auch wirklich die Tüte, während sie die Straßen entlang schlenderten.
„Sag mal, musste die Ohrfeige so hart sein?“, wollte er irgendwann wissen. „Natürlich. Ich musste doch authentisch genug wirken und das ging nur so. Tut mir leid.“ „Ach … schon in Ordnung. Kannst du mir mal helfen?“, fragte er nach und zog seine Schachtel Zigaretten aus der Hosentasche. Er hatte nur eine Hand frei und somit ging das nicht so einfach, wie er es haben wollte. Sie kam seiner Bitte nach, nahm eine Zigarette hinaus und steckte sie ihm in den Mund. Dann nahm sie ihm das Feuerzeug ab und hielt es ihm hin.
„Danke. Weißt du, dass du eigentlich ganz nett bist, wenn du nicht gerade deine spitze Zunge an mir wetzt?“, stellte er fest und lächelte. „Du bist auch okay. Wenn du nicht gerade über meine beste Freundin her fällst, wie ein wildes Tier.“ „Wildes Tier? Ich habe doch gar nichts gemacht!“, verteidigte sich der Hanyou. „Sie hat mir erzählt, dass du dich auf sie gestürzt hast, ins Bett gezerrt und ihr die Bluse am Liebsten sofort in der gleichen Sekunde vom Leibe gerissen hast!“
Sein lautes Lachen durchbrach die Stille zwischen ihnen. Es stimmte zwar schon, was Kagome gesagt hatte, nur hatte sie es eindeutig falsch erzählt. „Deine kleine Freundin hat da was nicht so ganz mitbekommen. Ich war nett, ich hab sie mit ins Bett gezogen, das ist wahr, aber die Bluse vom Leibe gerissen habe ich ihr eindeutig nicht, die hatte sie die ganze Zeit über an. Ich durfte ja nicht mal die Knöpfe zu Ende öffnen.“ Er musste eine kurze Pause machen, um nach Luft zu schnappen. „Und außerdem, ich habe sie zu nichts gezwungen. Das Einzige, was ich wirklich getan habe, war, dass ich sie geküsst habe. Mehr durfte ich auch nicht.“
Nachdenklich kratzte sich die Braunhaarige am Kopf. Manchmal übertrieb Kagome wirklich, das stimmte. Und sie konnte sich jetzt auch gar nicht mehr vorstellen, dass Inu Yasha wirklich so ein mieser Kerl war, wie ihre beste Freundin berichtet hatte. Ayame hatte sie sofort geglaubt, als sie sagte Kouga war ein dreckiges Schwein. Aber weiter konnte sie nicht mehr darüber nachdenken, denn sie waren bei ihrem Ziel angekommen, wo Kagome und Ayame schon auf sie warteten. Und die Blicke waren äußerst erstaunt, weil sie mit dem Playboy angerauscht kam.
Sie nahm dem jungen Mann die Tüte aus der Hand. „Danke, Inu Yasha. War nett mit dir.“ „Finde ich auch. Mit dir zu reden macht Spaß, ruf mich doch mal an, wenn du Zeit hast.“, grinste er und steckte ihr seine Visitenkarte in die Tüte hinein. Dann zwinkerte er ihr zu, drehte sich um und ging.


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!